Physiotherapie-GmbH gründen: Wann sie sich lohnt und wie es geht

Wann sich eine GmbH für deine Physiotherapie-Praxis wirklich lohnt — und wie die Gründung Schritt für Schritt abläuft: Stammkapital, Notar, Kosten und Steuern im Überblick.

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Physiotherapie-GmbH gründen: Wann sie sich lohnt und wie es geht

Eine GmbH macht deine Physiotherapie-Praxis nicht seriöser — sie macht sie teurer, formaler und in den meisten Fällen komplizierter, als du sie zum Start brauchst. Wer eine Physiotherapie-GmbH gründen will, tut das selten wegen des Namens auf dem Praxisschild, sondern weil ein konkreter Grund dahintersteckt: Haftung, mehrere Standorte, Angestellte, Kapitalgeber. Genau dann ist die GmbH das richtige Werkzeug — und die Gründung selbst ist kein Hexenwerk, wenn du die Reihenfolge kennst.

Bevor du loslegst, lohnt der ehrliche Blick auf die Rechtsform-Frage insgesamt: In unserem Überblick zu den Rechtsformen für die Physiotherapie-Praxis siehst du, warum Einzelunternehmen oder GbR für die meisten der schnellere Start sind. Dieser Artikel setzt eine Stufe später an — bei allen, für die die Entscheidung schon in Richtung GmbH gefallen ist. Die wichtigsten Schritte, Kosten und Fallstricke der Reihe nach.

Inhaltsverzeichnis

Braucht deine Praxis überhaupt eine GmbH?

Die GmbH beschränkt deine Haftung auf das Gesellschaftsvermögen — dein Privatvermögen bleibt im Ernstfall außen vor. Das klingt beruhigend, ist für eine typische Einzelpraxis aber selten der entscheidende Punkt: Behandlungsfehler deckst du günstiger und wirksamer über eine Berufshaftpflicht ab, nicht über eine ganze Kapitalgesellschaft. Der Haftungsschutz der GmbH zielt auf etwas anderes — auf unternehmerische Risiken jenseits der Behandlung.

Ein ernsthaftes Thema wird die GmbH meist erst, wenn eine dieser Situationen zutrifft:

  • Du wächst über eine Praxis hinaus — mehrere Standorte, größeres Team, nennenswerte Investitionen in Geräte oder Räume.
  • Ihr gründet mit mehreren Gesellschafter:innen und wollt Beteiligungen, Anteile und Ausstieg klar geregelt haben.
  • Du holst Kapitalgeber ins Boot oder planst eine Struktur, die du später verkaufen oder übergeben willst.
  • Dein unternehmerisches Risiko ist hoch — hohe Fixkosten, Kredite, langfristige Mietverträge, für die du nicht privat geradestehen willst.

Tipp: Triffst du keinen dieser Punkte, ist die GmbH mit hoher Wahrscheinlichkeit überdimensioniert. Rechne einmal ehrlich durch, was am Monatsende übrig bleibt — unsere Aufstellung zum Umsatz einer Physiotherapie-Praxis hilft bei der Einordnung, ob die laufenden GmbH-Kosten überhaupt tragbar sind.

Ein Punkt vorab, der später wichtig wird: Eine GmbH ist immer gewerblich. Die Freiberuflichkeit, die du als selbstständige:r Physiotherapeut:in normalerweise genießt, entfällt in dieser Rechtsform — mit allen Folgen für Steuern und Buchführung, auf die wir unten kommen.

Was du zur Gründung brauchst: Stammkapital, Notar, Handelsregister

Drei Dinge machen die GmbH zur GmbH — und unterscheiden sie vom formlosen Start als Einzelunternehmen:

  • Stammkapital: Mindestens 25.000 Euro Stammkapital, von denen bei der Gründung mindestens die Hälfte (12.500 Euro) tatsächlich eingezahlt sein muss. Das Geld ist nicht „weg" — es steht der Gesellschaft für Investitionen und laufende Kosten zur Verfügung.
  • Notarielle Beurkundung: Der Gesellschaftsvertrag (die „Satzung") muss von einer Notarin oder einem Notar beurkundet werden. Für eine einfache Ein-Personen-GmbH reicht oft ein Musterprotokoll, das günstiger ist als ein individueller Vertrag.
  • Eintrag ins Handelsregister: Die GmbH entsteht rechtlich erst mit der Eintragung. Ab da trägt sie den Zusatz „GmbH" im Namen und ist voll geschäftsfähig.

Alternativ zur klassischen GmbH kannst du mit einer UG (haftungsbeschränkt) starten — der „kleinen Schwester" mit nur 1 Euro Mindestkapital, die verpflichtend Rücklagen bildet und sich später in eine echte GmbH umwandeln lässt. Für Praxen, die den Haftungsschutz wollen, das volle Stammkapital aber noch nicht aufbringen, ist das ein gangbarer Zwischenschritt.

Schritt für Schritt: So läuft die GmbH-Gründung ab

Die Reihenfolge ist bei fast jeder GmbH gleich. Plane vom Notartermin bis zur Handelsregister-Eintragung realistisch zwei bis sechs Wochen ein:

  1. Gesellschaftsvertrag aufsetzen — Musterprotokoll für die einfache Konstellation, individueller Vertrag bei mehreren Gesellschafter:innen oder Sonderregelungen.
  2. Notartermin — Beurkundung des Vertrags und Bestellung der Geschäftsführung.
  3. Geschäftskonto eröffnen und das Stammkapital einzahlen. Die Einzahlung weist du dem Notar nach.
  4. Handelsregister-Anmeldung durch den Notar. Mit der Eintragung ist die GmbH offiziell entstanden.
  5. Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt — die GmbH ist gewerblich, das ist Pflicht.
  6. Steuerliche Erfassung beim Finanzamt (Fragebogen zur steuerlichen Erfassung), Steuernummer und ggf. USt-IdNr. beantragen.
  7. Mitgliedschaften und Anmeldungen klären: IHK-Pflichtmitgliedschaft, Berufsgenossenschaft, bei Angestellten die Sozialversicherung.

Vieles davon überschneidet sich mit den Schritten jeder Praxisgründung. Wenn du parallel deinen Businessplan für die Physiotherapie-Praxis erstellst, hast du die Zahlen, die Bank und Steuerberatung für die GmbH ohnehin sehen wollen, schon beisammen.

Steuern und Buchführung: Was sich mit der GmbH ändert

Hier liegt der größte Unterschied zum Einzelunternehmen — und der Grund, warum die GmbH laufend mehr Aufwand macht:

Einzelunternehmen (freiberuflich) GmbH
Gewinnermittlung Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) doppelte Buchführung mit Bilanz
Steuerart Einkommensteuer Körperschaftsteuer + Gewerbesteuer
Geschäftsführer-Gehalt — (Privatentnahme) Gehalt als Betriebsausgabe, lohnversteuert
Jahresabschluss formlos Offenlegungspflicht im Bundesanzeiger

Praktisch heißt das: Als GmbH bist du zur doppelten Buchführung und zur Bilanz verpflichtet. Dein Gewinn wird auf Ebene der Gesellschaft mit Körperschaft- und Gewerbesteuer belastet; was du dir als Geschäftsführer:in auszahlst, ist zusätzlich lohnsteuerpflichtig. Das ist nicht automatisch teurer als die Einkommensteuer — bei hohen, im Unternehmen belassenen Gewinnen kann es sogar günstiger sein —, aber es ist deutlich formaler. Eine Steuerberatung ist bei der GmbH praktisch Pflicht, kein Nice-to-have.

Wie sich das konkret auf deine Abgaben auswirkt, hängt stark von deiner Gewinnsituation ab. Die allgemeinen steuerlichen Grundlagen für die Selbstständigkeit findest du im Beitrag zu den Steuern als selbstständiger Physiotherapeut — beachte aber, dass die Umsatzsteuerbefreiung für Heilbehandlungen unabhängig von der Rechtsform gilt, die Ertragsteuern dagegen bei der GmbH anders laufen.

Was kostet eine Physiotherapie-GmbH — einmalig und laufend?

Zwei Kostenblöcke solltest du auseinanderhalten: die einmaligen Gründungskosten und die laufenden Mehrkosten gegenüber einem Einzelunternehmen.

Einmalig zur Gründung (grobe Spanne):

  • Notar für Beurkundung und Handelsregister-Anmeldung: rund 300–800 Euro, je nach Konstellation und Stammkapital.
  • Handelsregister-Eintragung: etwa 150 Euro.
  • Gewerbeanmeldung: meist unter 100 Euro.
  • Dazu ggf. Beratungskosten für Vertrag und Steuerthemen.

Laufend, Jahr für Jahr:

  • Jahresabschluss und Bilanz durch die Steuerberatung — der spürbarste Posten, deutlich höher als eine einfache EÜR.
  • Offenlegung im Bundesanzeiger.
  • IHK-Beitrag (Pflichtmitgliedschaft für die gewerbliche GmbH).

Rechne die laufenden Mehrkosten gegen den Nutzen: Solange du keinen echten Haftungs- oder Struktur-Grund hast, zahlst du Jahr für Jahr für Formalität, die deiner Praxis nichts bringt. Bevor du dich festlegst, lohnt der Blick in den Leitfaden zur Existenzgründung in der Physiotherapie — dort ordnest du die GmbH-Kosten in dein gesamtes Startbudget ein.

Ein Punkt, der bei der GmbH wichtiger wird als anderswo: saubere, prüfsichere Rechnungen von Tag eins. Weil die GmbH bilanzieren muss und jeder Beleg in die doppelte Buchführung läuft, ist eine ordentliche Rechnungsstellung kein Verwaltungs-Detail, sondern die Grundlage deiner Buchhaltung. Wenn du deine Privatpraxis (Selbstzahler, PKV, Beihilfe) neu aufsetzt, hast du hier einen echten Vorteil: Du startest ohne Altsystem und ohne Datenmigration — und kannst deine Abrechnung von der ersten Rechnung an GoBD-konform aufziehen.

Genau dafür ist likami gebaut. likami erstellt deine Privatrechnungen mit fortlaufenden, unveränderbaren Nummern, schreibt sie fest, archiviert sie als PDF mit Prüf-Hash und führt eine lückenlose Änderungshistorie — die GoBD-Anforderungen, die dein Finanzamt und deine Steuerberatung bei einer GmbH genau ansehen. Die Buchhaltung und die Bilanz macht weiterhin dein Steuerbüro; likami liefert die sauberen Belege, die dort reinlaufen. Zusammen mit der Praxisverwaltung für Termine, Patientendaten und Dokumentation hast du den operativen Teil deiner GmbH-Praxis von Anfang an geordnet.

Fazit: GmbH ja oder nein?

Für die meisten neu gegründeten Physiotherapie-Praxen ist die GmbH nicht der richtige Start — Einzelunternehmen oder GbR sind schneller, günstiger und passen zur freiberuflichen Realität. Zur GmbH greifst du bewusst, wenn Haftung, mehrere Standorte, ein größeres Team oder Kapitalgeber es rechtfertigen. Ist die Entscheidung gefallen, ist die Gründung planbar: Stammkapital, Notar, Handelsregister, Gewerbe- und Steueranmeldung — und danach eine Buchführung, die formaler ist als alles, was du als Freiberufler:in kennst. Wer das von Anfang an mit sauberer Abrechnung und ohne Altlasten aufsetzt, spart sich später den teuersten Teil: das Aufräumen.

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