Selbstständig als Physiotherapeut: Alles, was du wissen musst

Du überlegst, dich als Physiotherapeut selbstständig zu machen? In diesem Guide erfährst du, welche Voraussetzungen du brauchst, mit welchen Kosten du rechnen musst und wie viel du realistisch verdienen kannst.

Selbstständig als Physiotherapeut: Alles, was du wissen musst

Der Traum von der eigenen Praxis ist für viele Physiotherapeuten das langfristige Berufsziel. Die Rahmenbedingungen sind gut: Der Bedarf an physiotherapeutischen Behandlungen steigt durch den demografischen Wandel stetig, und die GKV-Vergütung wurde zum 01.01.2026 um 2,49 % erhöht (Quelle: bela-health.de).

Aber „gut" heißt nicht „einfach". Die Selbstständigkeit als Physiotherapeut bringt eine Reihe formaler, finanzieller und organisatorischer Anforderungen mit sich.

Voraussetzungen für die Selbstständigkeit

Fachliche Voraussetzungen

Die grundlegende Voraussetzung ist eine erfolgreich abgeschlossene, staatlich anerkannte Ausbildung als Physiotherapeut, Krankengymnast oder Masseur und medizinischer Bademeister (Quelle: Gründerküche).

Für die Kassenzulassung beim GKV-Spitzenverband solltest du mindestens zwei Jahre Berufserfahrung nachweisen können (Quelle: sevdesk.de).

Rechtsform: Freiberufler, nicht Gewerbetreibender

Als selbstständig arbeitender Physiotherapeut bist du grundsätzlich Freiberufler — du brauchst also kein Gewerbe anzumelden. Das bringt steuerliche Vorteile: keine Gewerbesteuer, vereinfachte Buchführung (EÜR statt Bilanz) und Umsatzsteuerbefreiung für ärztlich verordnete Heilbehandlungen (Quelle: Accountable).

Wichtig: Verkaufst du nicht apothekenpflichtige Salben oder ähnliche Produkte, kann eine Gewerbepflicht entstehen.

Kassenzulassung: Optional, aber relevant

Ohne Kassenzulassung kannst du nur Privatpatienten und Selbstzahler behandeln. Mit Kassenzulassung hast du Zugang zu den rund 73 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland.

Für die Kassenzulassung brauchst du geeignete Räume (Mindestgrößen, Barrierefreiheit, getrennte Bereiche), Ausstattung (Behandlungsliegen, Geräte) und zugelassenes Personal (Quelle: Franchiseportal).

Kosten: Womit du rechnen musst

Die Gründungskosten variieren stark — je nachdem, ob du eine bestehende Praxis übernimmst oder neu gründest. Eine grobe Orientierung:

Einmalige Kosten:

  • Praxisausstattung (Behandlungsliegen, Geräte, Einrichtung): 10.000 – 50.000 €
  • Umbau/Renovierung der Räumlichkeiten: 5.000 – 30.000 €
  • Software-Einrichtung und TI-Anbindung: 1.000 – 3.000 €
  • Marketing (Website, Google Business, Flyer): 2.000 – 5.000 €

Laufende Kosten:

  • Miete: 800 – 3.000 €/Monat
  • Versicherungen (Betriebshaftpflicht, BU): 200 – 500 €/Monat
  • Praxissoftware: 50 – 200 €/Monat
  • Fortbildungen: 1.000 – 3.000 €/Jahr

Verdienst: Realistische Zahlen

Das durchschnittliche Monatseinkommen selbstständiger Physiotherapeuten liegt nach aktuellen Branchenzahlen zwischen 3.000 und 6.000 Euro brutto, abhängig von Geschäftsmodell und Standort. Bei optimaler Praxisauslastung und spezialisiertem Angebot sind auch höhere Einkommen möglich (Quelle: sevdesk.de).

Der durchschnittliche Jahresumsatz einer Physiotherapiepraxis liegt laut einer aktuellen Branchenstudie bei etwa 415.000 Euro (Quelle: ad-hoc-news.de). Davon gehen allerdings Personalkosten, Miete, Betriebskosten und Steuern ab.

Gründungsoptionen im Überblick

Neugründung: Du baust alles von Grund auf. Maximale Gestaltungsfreiheit, aber auch das höchste Risiko und die höchsten Anfangsinvestitionen.

Praxisübernahme: Du übernimmst eine bestehende Praxis mit Patientenstamm, Ausstattung und ggf. Personal. Oft der wirtschaftlich sicherere Weg, aber die Kaufpreisverhandlung ist anspruchsvoll.

Mobiles Konzept: Du arbeitest als mobiler Physiotherapeut mit Hausbesuchen. Geringere Anfangsinvestitionen, keine Mietkosten — aber auch begrenzte Skalierbarkeit.

Franchise: Konzepte wie KREUZRETTER bieten ein strukturiertes Geschäftsmodell mit digitalen Tools und Marketingunterstützung (Quelle: Franchiseportal).

5 Tipps für den erfolgreichen Start

  1. Sammle mindestens 2–3 Jahre Berufserfahrung, bevor du gründest. Du lernst verschiedene Arbeitsweisen kennen und weißt danach besser, was du willst.

  2. Erstelle einen Businessplan, auch wenn du kein Bankdarlehen brauchst. Er zwingt dich, dein Konzept durchzudenken.

  3. Kläre die Kassenzulassung frühzeitig — der Prozess kann mehrere Monate dauern.

  4. Investiere von Anfang an in eine gute Praxissoftware. Papierbasierte Prozesse skalieren nicht und kosten dich jeden Tag Zeit.

  5. Plane die TI-Anbindung mit ein. Die Frist für die verpflichtende Anbindung ist der 1. Oktober 2027 — wer früh dran ist, vermeidet Stress.

Fazit

Die Selbstständigkeit als Physiotherapeut bietet echte Chancen: steigende Nachfrage, Freiberufler-Status, flexible Geschäftsmodelle. Aber sie erfordert auch kaufmännisches Denken, solide Planung und die Bereitschaft, sich mit Themen wie Abrechnung, Dokumentation und Digitalisierung auseinanderzusetzen.


Quellen:

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