Selbstständig als Physiotherapeut: Alles, was du wissen musst
Du überlegst, dich als Physiotherapeut selbstständig zu machen? In diesem Guide erfährst du, welche Voraussetzungen du brauchst, mit welchen Kosten du rechnen musst und wie viel du realistisch verdienen kannst.
Der Traum von der eigenen Praxis ist für viele Physiotherapeuten das langfristige Berufsziel. Die Rahmenbedingungen sind gut: Der Bedarf an physiotherapeutischen Behandlungen steigt durch den demografischen Wandel stetig, und die GKV-Vergütung wurde zum 01.01.2026 um 2,49 % erhöht (Quelle: bela-health.de).
Aber „gut" heißt nicht „einfach". Wer sich als Physiotherapeut selbstständig machen will, tauscht den Behandlungsplan gegen einen Businessplan — und steht plötzlich vor Fragen zu Rechtsform, Abrechnung, Kosten und Verdienst, die in der Ausbildung nie vorkamen. Dieser Guide sortiert die wichtigsten davon, damit du weißt, worauf es beim Schritt in die Selbstständigkeit wirklich ankommt.
Inhaltsverzeichnis
- Lohnt sich der Schritt in die Selbstständigkeit?
- Voraussetzungen für die Selbstständigkeit
- Privatpraxis oder Kassenzulassung?
- Allein oder zu zweit gründen?
- Kosten: Womit du rechnen musst
- Verdienst: Realistische Zahlen
- Gründungsoptionen im Überblick
- Die richtige Software von Anfang an
- 5 Tipps für den erfolgreichen Start
- Fazit
Lohnt sich der Schritt in die Selbstständigkeit?
Bevor es um Formulare und Rechtsformen geht, steht die ehrlichste Frage am Anfang: Lohnt sich das für dich überhaupt? Als Angestellte:r hast du ein festes Gehalt, bezahlten Urlaub und trägst kein unternehmerisches Risiko. Selbstständig verdienst du bei guter Auslastung mehr — aber du trägst auch leere Terminkalender, Krankheitstage und Investitionen selbst.
Die Faustregel: Selbstständigkeit lohnt sich, wenn du fachlich sicher bist, gern eigenverantwortlich arbeitest und bereit bist, dich in kaufmännische Themen einzuarbeiten. Wie groß der finanzielle Unterschied real ausfällt, rechnen wir in den Beiträgen zum Gehalt als selbstständiger Physiotherapeut und zum realistischen Umsatz einer Physiotherapie-Praxis durch — Pflichtlektüre, bevor du kündigst.
Voraussetzungen für die Selbstständigkeit
Fachliche Voraussetzungen
Die grundlegende Voraussetzung ist eine erfolgreich abgeschlossene, staatlich anerkannte Ausbildung als Physiotherapeut, Krankengymnast oder Masseur und medizinischer Bademeister (Quelle: Gründerküche).
Für die Kassenzulassung beim GKV-Spitzenverband solltest du mindestens zwei Jahre Berufserfahrung nachweisen können (Quelle: sevdesk.de).
Rechtsform: Freiberufler, nicht Gewerbetreibender
Als selbstständig arbeitender Physiotherapeut bist du grundsätzlich Freiberufler — du brauchst also kein Gewerbe anzumelden. Das bringt steuerliche Vorteile: keine Gewerbesteuer, vereinfachte Buchführung (EÜR statt Bilanz) und Umsatzsteuerbefreiung für ärztlich verordnete Heilbehandlungen (Quelle: Accountable).
Wichtig: Verkaufst du nicht apothekenpflichtige Salben oder ähnliche Produkte, kann eine Gewerbepflicht entstehen. Wo genau die Grenze zwischen freiberuflicher und gewerblicher Tätigkeit verläuft, klärt der Beitrag freiberuflich oder Gewerbe als Physiotherapeut. Welche Rechtsform für deine Physiotherapie-Praxis am besten passt — Einzelunternehmen, GbR oder GmbH — hängt davon ab, ob du allein oder mit Partner:innen startest.
Privatpraxis oder Kassenzulassung?
Diese Entscheidung prägt dein gesamtes Geschäftsmodell. Ohne Kassenzulassung behandelst du nur Privatpatienten und Selbstzahler — dafür startest du schneller, ohne den langwierigen Zulassungsprozess und ohne die räumlichen Mindestanforderungen der Kassen. Mit Kassenzulassung öffnest du dir die rund 73 Millionen gesetzlich Versicherten, bindest dich aber an die Heilmittelrichtlinie und die GKV-Vergütungssätze.
Für die Kassenzulassung brauchst du geeignete Räume (Mindestgrößen, Barrierefreiheit, getrennte Bereiche), Ausstattung und zugelassenes Personal (Quelle: Franchiseportal). Immer mehr Gründer:innen wählen bewusst den Weg der reinen Privatpraxis: weniger bürokratische Hürden, höhere Stundensätze, volle Kontrolle über Preise und Termine. Der Preis dafür ist ein kleinerer Patientenpool, den du aktiv aufbauen musst.
Tipp: Du musst dich nicht sofort festlegen. Viele starten als Privatpraxis und beantragen die Kassenzulassung später — umgekehrt ist der Ausstieg aus der Kassenabrechnung deutlich aufwändiger.
Allein oder zu zweit gründen?
Nicht jede:r gründet solo. Zu zweit oder im Team teilt ihr Kosten, Risiko und Bereitschaftszeiten — müsst aber vorher klären, in welcher Form ihr zusammenarbeitet. Eine Gemeinschaftspraxis ist eine gemeinsame Praxis mit gemeinsamem Patientenstamm und gemeinsamer Abrechnung; eine Praxisgemeinschaft besteht aus getrennten Praxen, die sich nur Räume und Kosten teilen. Was das für Haftung, Steuern und Gewinnverteilung bedeutet, liest du im Beitrag Gemeinschaftspraxis oder Praxisgemeinschaft. Wer lieber eine bestehende Praxis übernimmt, findet die Details unter Physiotherapie-Praxis kaufen oder übernehmen.
Kosten: Womit du rechnen musst
Die Gründungskosten variieren stark — je nachdem, ob du eine bestehende Praxis übernimmst oder neu gründest. Eine grobe Orientierung:
Einmalige Kosten:
- Praxisausstattung (Behandlungsliegen, Geräte, Einrichtung): 10.000 – 50.000 €
- Umbau/Renovierung der Räumlichkeiten: 5.000 – 30.000 €
- Software-Einrichtung und TI-Anbindung: 1.000 – 3.000 €
- Marketing (Website, Google Business, Flyer): 2.000 – 5.000 €
Laufende Kosten:
- Miete: 800 – 3.000 €/Monat
- Versicherungen (Betriebshaftpflicht, BU): 200 – 500 €/Monat
- Praxissoftware: 50 – 200 €/Monat
- Fortbildungen: 1.000 – 3.000 €/Jahr
Wie du diese Zahlen in eine belastbare Planung überführst, zeigt der Businessplan für die Physiotherapie-Praxis — auch wenn du keinen Kredit brauchst.
Verdienst: Realistische Zahlen
Das durchschnittliche Monatseinkommen selbstständiger Physiotherapeuten liegt nach aktuellen Branchenzahlen zwischen 3.000 und 6.000 Euro brutto, abhängig von Geschäftsmodell und Standort. Bei optimaler Praxisauslastung und spezialisiertem Angebot sind auch höhere Einkommen möglich (Quelle: sevdesk.de).
Der durchschnittliche Jahresumsatz einer Physiotherapiepraxis liegt laut einer aktuellen Branchenstudie bei etwa 415.000 Euro (Quelle: ad-hoc-news.de). Davon gehen allerdings Personalkosten, Miete, Betriebskosten und Steuern ab.
Gründungsoptionen im Überblick
Neugründung: Du baust alles von Grund auf. Maximale Gestaltungsfreiheit, aber auch das höchste Risiko und die höchsten Anfangsinvestitionen.
Praxisübernahme: Du übernimmst eine bestehende Praxis mit Patientenstamm, Ausstattung und ggf. Personal. Oft der wirtschaftlich sicherere Weg, aber die Kaufpreisverhandlung ist anspruchsvoll.
Mobiles Konzept: Du arbeitest als mobiler Physiotherapeut ohne eigene Praxis mit Hausbesuchen. Geringere Anfangsinvestitionen, keine Mietkosten — aber auch begrenzte Skalierbarkeit.
Franchise: Konzepte wie KREUZRETTER bieten ein strukturiertes Geschäftsmodell mit digitalen Tools und Marketingunterstützung (Quelle: Franchiseportal).
Die richtige Software von Anfang an
Papierbasierte Prozesse skalieren nicht — und je später du auf ein System umstellst, desto schmerzhafter wird die Migration deiner Patientendaten und Preislisten. Der Vorteil einer Neugründung: Du kannst von Tag eins sauber starten, ganz ohne Altlasten.
Genau darauf ist likami ausgelegt — eine Software für Physiotherapie-Privatpraxen (Selbstzahler, PKV, Beihilfe). Für Gründer:innen sind vor allem drei Dinge relevant: eine GoBD-konforme Privatabrechnung mit fortlaufenden, unveränderbaren Rechnungsnummern und archivierten PDFs, ein Terminplaner mit automatischer Konfliktprüfung und die zentrale Praxisverwaltung für Stammdaten, Doku und Leistungen unter einem Dach. Ein geführtes Onboarding mit Demo-Daten und 14 Tage kostenlos zum Ausprobieren senken die Einstiegshürde. Wichtig zur Einordnung: likami ist reine Privatpraxis-Software — eine GKV-Abrechnung bildet sie bewusst nicht ab.
5 Tipps für den erfolgreichen Start
Sammle mindestens 2–3 Jahre Berufserfahrung, bevor du gründest. Du lernst verschiedene Arbeitsweisen kennen und weißt danach besser, was du willst.
Erstelle einen Businessplan, auch wenn du kein Bankdarlehen brauchst. Er zwingt dich, dein Konzept durchzudenken.
Kläre die Kassenzulassung frühzeitig — der Prozess kann mehrere Monate dauern. Oder entscheide dich bewusst für die reine Privatpraxis.
Investiere von Anfang an in eine gute Praxissoftware. Papierbasierte Prozesse skalieren nicht und kosten dich jeden Tag Zeit.
Plane die TI-Anbindung mit ein. Die Frist für die verpflichtende Anbindung ist der 1. Oktober 2027 — wer früh dran ist, vermeidet Stress.
Fazit
Die Selbstständigkeit als Physiotherapeut bietet echte Chancen: steigende Nachfrage, Freiberufler-Status, flexible Geschäftsmodelle. Aber sie erfordert auch kaufmännisches Denken, solide Planung und die Bereitschaft, sich mit Themen wie Rechtsform, Abrechnung, Dokumentation und Digitalisierung auseinanderzusetzen. Wenn du die Grundfragen — Privatpraxis oder Kasse, allein oder im Team, welche Rechtsform — früh und ehrlich beantwortest, steht dem eigenen Praxisschild wenig im Weg.
Quellen:
- Gründerküche: Physiotherapie-Praxis eröffnen
- sevdesk.de: Physiotherapie Praxis eröffnen
- Accountable: Selbstständig als Physiotherapeut:in
- Franchiseportal: Physio-Praxis eröffnen
- ad-hoc-news.de: Physiotherapie-Praxen 2026
- bela-health.de: GKV-Preisliste 2026