Telematikinfrastruktur für Physiotherapeuten: Was du jetzt tun musst
Die TI-Anschlusspflicht für Physiotherapeuten wurde auf den 1. Oktober 2027 verschoben. Trotzdem lohnt es sich, jetzt schon die Weichen zu stellen. Wir erklären, was die TI ist, was sie kostet und warum Frühstarter profitieren.
Die Telematikinfrastruktur (TI) ist das digitale Netzwerk des deutschen Gesundheitswesens. Sie verbindet Ärzte, Therapeuten, Apotheken und Krankenhäuser, um Patientendaten sicher und sektorenübergreifend auszutauschen.
Für Physiotherapiepraxen war die Anbindung ursprünglich zum 1. Januar 2026 geplant. Der Bundestag hat die Frist am 6. November 2025 auf den 1. Oktober 2027 verschoben — unter anderem, weil die elektronische Heilmittelverordnung (eVO) noch nicht bereit war (Quelle: IFK).
Was die TI für Physiotherapeuten bedeutet
Aktuelle TI-Anwendungen
- KIM (Kommunikation im Medizinwesen): Verschlüsselter Versand von Therapieberichten, Arztbriefen und anderen Dokumenten. Ersetzt Fax und unverschlüsselte E-Mails.
- ePA (Elektronische Patientenakte): Perspektivisch können Physiotherapeuten relevante Befunde und Berichte in die ePA des Patienten einstellen.
Geplante Anwendungen
- eVO (Elektronische Verordnung): Die elektronische Heilmittelverordnung soll ab Januar 2027 freiwillig und perspektivisch verpflichtend werden. Sie ersetzt das Papierrezept (Quelle: DMRZ).
- TIM (TI-Messenger): Sichere Echtzeitkommunikation zwischen Leistungserbringern.
Was du für die TI-Anbindung brauchst
Für den TI-Anschluss benötigst du folgende Komponenten:
- Elektronischer Heilberufsausweis (eHBA): Dein persönlicher digitaler Ausweis. Für Physiotherapeuten seit 2021 beantragbar.
- Institutionsausweis (SMC-B): Der digitale Praxisausweis.
- Konnektor oder TI-Gateway: Die technische Anbindung — entweder als Hardware-Konnektor vor Ort oder als cloudbasierter TI-Gateway-Dienst (TIaaS).
- Kartenlesegerät: Zum Einlesen der Gesundheitskarten.
- KIM-fähige Praxissoftware: Deine Software muss die TI-Anwendungen unterstützen (Quelle: azh.de).
Was kostet die TI-Anbindung?
Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass die TI-Anbindung für Heilmittelerbringer kostenneutral sein soll. Die GKV erstattet die Ausstattungs- und Betriebskosten über quartalsweise Pauschalen.
Rechenbeispiel für eine Physiotherapie-Praxis mit einem eHBA:
- Kartenlesegerät: einmalig ca. 594 €
- TI-Karten: ca. 1.045 € (zahlbar einmalig, jährlich oder quartalsweise)
- TI-Anschluss: ca. 194 €/Monat
- Abzüglich GKV-Erstattungspauschale: effektive Kosten nahe null (Quelle: thevea.de)
Wichtig: Die Erstattung ist seit Oktober 2026 über das Antragsportal des GKV-Spitzenverbandes beantragbar und auch rückwirkend möglich.
Warum du nicht bis 2027 warten solltest
Die Verschiebung auf Oktober 2027 ist kein Grund, das Thema auf die lange Bank zu schieben. Mehrere Gründe sprechen für einen frühen Anschluss:
- Die Erstattung läuft bereits. Wer jetzt anschließt, kann die GKV-Pauschalen schon jetzt in Anspruch nehmen.
- KIM bringt schon heute Nutzen. Therapieberichte verschlüsselt an Ärzte senden — statt per Fax.
- Die eVO kommt. Wer bei der Einführung der elektronischen Verordnung (voraussichtlich ab 2027) vorbereitet ist, hat einen Wettbewerbsvorteil.
- Lastminute-Stress vermeiden. Wenn alle Praxen gleichzeitig anschließen wollen, gibt es Engpässe bei eHBA-Beantragung und Anbieter-Support.
Privatpraxen: Keine TI-Pflicht
Für reine Privatpraxen ohne IK-Nummer (Institutionskennzeichen) gilt die TI-Anschlusspflicht nicht. Ohne IK sind die meisten TI-Funktionen wie KIM oder ePA derzeit nicht nutzbar. Eine Erstattung durch die GKV gibt es für Privatpraxen ebenfalls nicht (Quelle: thevea.de).
Fazit
Die TI-Pflicht ist verschoben, aber nicht aufgehoben. Wer jetzt startet, profitiert von der Erstattung, vermeidet Lastminute-Stress und ist für die eVO bereit. Die Anbindung ist dank Cloud-Lösungen und TI-Gateway-Diensten einfacher als viele befürchten.
Quellen: