Elektronische Patientenakte in der Physiotherapie: Chance oder Last?
Die elektronische Patientenakte (ePA) soll die Versorgung verbessern. Was bedeutet das konkret für Physiotherapeuten — und lohnt sich der Aufwand?
Seit Anfang 2025 wird die elektronische Patientenakte (ePA) als „ePA für alle" im Opt-out-Verfahren an gesetzlich Versicherte ausgerollt — jede:r bekommt sie automatisch, außer man widerspricht aktiv. Damit ist die ePA vom Zukunftsthema zur gelebten Realität im Gesundheitswesen geworden. Für Physiotherapeut:innen bleibt trotzdem eine nüchterne Frage offen: Was hast du im Praxisalltag heute konkret davon — und was ist noch Ankündigung?
Die ePA ist eines der Kernprojekte der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Sie soll Patientendaten zentral und sektorenübergreifend verfügbar machen. Worum es hier geht: was die Akte ist, was sie dir bringt, wo sie für Physios noch klemmt — und was du unabhängig davon schon jetzt sauber aufsetzen solltest.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist die ePA — und was ändert sich 2026?
- Was bringt die ePA für Physiotherapeuten?
- Was für Physiotherapeuten noch fehlt
- ePA und Datenschutz: Wer darf was sehen?
- Was du heute schon tun kannst
- Fazit
Was ist die ePA — und was ändert sich 2026?
Die ePA ist ein zentraler, digitaler Speicher für Gesundheitsdaten. Patient:innen können dort Befunde, Diagnosen, Medikationspläne und Behandlungsberichte hinterlegen — und ihren Leistungserbringern gezielt Zugriff gewähren.
Der entscheidende Wechsel: Früher musste man die ePA aktiv beantragen (Opt-in). Seit 2025 läuft es umgekehrt — die Krankenkassen legen die Akte automatisch an, wer sie nicht will, muss widersprechen (Opt-out). In der Praxis heißt das: Die Zahl der Patient:innen mit aktiver ePA steigt deutlich schneller als in den Jahren davor. Zunächst treibt die gesetzliche Krankenversicherung den Rollout; für die private Krankenversicherung ist eine Anbindung angekündigt, aber nicht im selben Tempo verpflichtend.
Für dich als Physiotherapeut:in ändert das vor allem eins: Das Thema kommt nicht mehr „irgendwann", sondern sitzt bereits in deinem Wartezimmer.
Was bringt die ePA für Physiotherapeuten?
Bessere Informationsgrundlage: Du siehst Diagnosen, Vorbefunde und Medikation deiner Patient:innen auf einen Blick — ohne Rückfragen beim Arzt oder Warten auf einen Brief.
Therapieberichte einstellen: Perspektivisch kannst du deine in der digitalen Dokumentation erfassten Befunde und Berichte in die ePA einstellen. Der behandelnde Arzt hat sie dann direkt verfügbar — das kann Rückfragen und Doppelarbeit sparen.
Interdisziplinäre Kommunikation: Die ePA ermöglicht einen Informationsfluss zwischen Arzt, Therapeut:in und weiteren Leistungserbringern, ohne dass Befunde per Fax oder Papier durch die Stadt wandern.
Tipp: Der Nutzen hängt direkt an der Qualität deiner eigenen Doku. Wer heute unstrukturiert auf Papier oder in Word arbeitet, hat später nichts Sinnvolles, das sich einstellen ließe — egal wie gut die ePA angebunden ist.
Was für Physiotherapeuten noch fehlt
Ehrlich eingeordnet: Für Physiotherapeut:innen ist die ePA aktuell nur eingeschränkt nutzbar. Welche Daten ihr einstellen dürft, welche Zugriffsrechte gelten und über welche Fachanwendungen das läuft, wird schrittweise erweitert — Ärzte und Apotheken sind hier weiter als die Heilmittelerbringer.
Voraussetzung für den Zugriff ist die Telematikinfrastruktur (TI). Deren Anschlusspflicht für Physiopraxen wurde auf den 1. Oktober 2027 verschoben. Bis dahin ist die aktive Nutzung der ePA für die meisten Praxen eher Vorbereitung als Alltag. Wichtig für die Einordnung: Die ePA-Anbindung läuft über die TI und die dafür zugelassenen Komponenten — keine Praxissoftware „schaltet" die ePA im Alleingang frei.
ePA und Datenschutz: Wer darf was sehen?
Gesundheitsdaten gehören zu den besonders geschützten Daten nach Art. 9 DSGVO — das gilt in der ePA genauso wie in deiner eigenen Akte. Der Zugriff ist an die Einwilligung der Patient:innen gebunden: Sie entscheiden, welche Leistungserbringer welche Dokumente sehen, und können den Zugriff zeitlich und inhaltlich begrenzen.
Für deine Praxis heißt das zweierlei. Erstens: Was du in der ePA siehst, ist geliehenes Vertrauen — geh damit so sorgfältig um wie mit deinen eigenen Akten. Zweitens: Deine hauseigene Dokumentation muss den Datenschutz in der Physiotherapie ohnehin erfüllen, ePA hin oder her. Ein sauberes Zugriffs- und Rollenkonzept in der eigenen Software ist die Grundlage, auf der später jede Anbindung aufsetzt.
Was du heute schon tun kannst
Auf die TI-Pflicht 2027 zu warten, ist die schlechteste Vorbereitung. Der Hebel, den du sofort in der Hand hast, ist deine eigene Doku — denn was du in die ePA einstellst, ist immer nur so gut wie das, was du erfasst hast.
Konkret heißt gute Vorbereitung:
- Strukturiert dokumentieren statt Fließtext auf Zetteln — mit klaren Typen für Anamnese, Befund und Therapiebericht.
- Rechtssicher führen: lückenlose Versionsgeschichte mit Autor und Zeitstempel, wie es § 630f BGB verlangt.
- Verknüpft ablegen: Doku, Termin und Verordnung gehören zusammen, nicht in drei getrennte Systeme.
Genau hier setzt likami an — nicht als TI-Konnektor und nicht, indem es selbst etwas in die ePA schiebt (das läuft über die Telematikinfrastruktur), sondern als saubere Basis davor: likami führt deine Therapiedokumentation und Patientenverwaltung strukturiert, mit Versionsgeschichte und Rollenrechten. Kommt die Anbindung, hast du bereits geordnete Inhalte statt eines Papierstapels, den du erst digitalisieren müsstest. Ein Branchenthema wie die ePA bildet likami also nicht ab — aber es sorgt dafür, dass du vorbereitet bist, wenn es so weit ist.
Fazit
Die ePA hat das Potenzial, die interdisziplinäre Zusammenarbeit spürbar zu verbessern — und mit dem Opt-out-Rollout ist sie kein Randthema mehr. Für Physiotherapeut:innen bleibt der unmittelbare Nutzen bis zur TI-Anbindung 2027 aber begrenzt. Die richtige Reaktion ist deshalb nicht Abwarten, sondern die eigene Dokumentation heute so aufzustellen, dass sie ePA-tauglich ist: strukturiert, rechtssicher, an einem Ort. Dann wird die Pflicht später zur Formsache statt zum Kraftakt.