Preisliste für deine Physiotherapie-Praxis erstellen: So geht's
Eine transparente Preisliste schafft Vertrauen und vermeidet Diskussionen. Wir zeigen dir, wie du deine Preisliste professionell aufbaust und kommunizierst.
Eine klare Preisliste ist nicht nur gesetzlich empfohlen — sie ist auch ein Zeichen von Professionalität. Patienten wollen vor der Behandlung wissen, was sie bezahlen. Und du willst keine unangenehmen Preisgespräche nach der Behandlung führen. Gerade wenn du gerade erst gründest, ist die Preisliste eines der ersten Dokumente, das nach außen sichtbar wird — also lohnt es sich, sie von Anfang an sauber aufzubauen.
Inhaltsverzeichnis
- Was gehört auf die Preisliste?
- So kann deine Preisliste aussehen
- Preise richtig kalkulieren
- Selbstzahler, PKV oder Beihilfe — brauchst du mehrere Preislisten?
- Umsatzsteuer: nicht jede Leistung ist gleich
- Wo und wie du die Preisliste kommunizierst
- Preisliste pflegen — ohne Zettelwirtschaft
- Häufige Fehler bei der Preisliste
- Fazit
Was gehört auf die Preisliste?
Behandlungsleistungen mit Preis: Allgemeine Krankengymnastik, Manuelle Therapie, Manuelle Lymphdrainage, Wärmetherapie — alle Leistungen, die du anbietest, mit dem jeweiligen Preis für Privatpatienten und Selbstzahler.
Behandlungsdauer: Gib an, wie lange die Behandlung dauert (20, 30, 45, 60 Minuten). Das macht die Preise vergleichbar und beugt Missverständnissen vor.
Steigerungssatz: Verweise auf die GebüTh als Berechnungsgrundlage.
Zusatzleistungen: Prävention, Wellness, Personal Training — falls du sie anbietest.
Hausbesuchszuschlag: Falls du Hausbesuche anbietest, den Zuschlag transparent ausweisen.
So kann deine Preisliste aussehen
Ein einfaches Tabellenformat reicht völlig — Leistung, Dauer, Preis. So wird sie für Patient:innen auf einen Blick lesbar:
| Leistung | Dauer | Preis |
|---|---|---|
| Krankengymnastik (KG) | 20 Min. | 39,00 € |
| Manuelle Therapie (MT) | 25 Min. | 45,00 € |
| Manuelle Lymphdrainage | 45 Min. | 62,00 € |
| Wärmetherapie (Fango/Heißluft) | 20 Min. | 18,00 € |
| Hausbesuch (Zuschlag) | — | 15,00 € |
Tipp: Die Zahlen oben sind nur Beispielwerte. Setz deine eigenen Preise ein — und schreib klar dazu, dass es sich um Preise für Selbstzahler und Privatpatient:innen handelt, nicht um Kassensätze.
Preise richtig kalkulieren
Orientiere dich an deinen tatsächlichen Kosten — nicht an den Beihilfe-Höchstsätzen. Wie du Privatpreise realistisch ansetzt, haben wir separat aufgeschrieben. Berücksichtige Raumkosten, Behandlungszeit, Qualifikation und die regionale Marktsituation. Ein Steigerungsfaktor von 1,8-fach auf den GKV-Satz ist ein guter Ausgangspunkt. Als Untergrenze gilt: Jede Position muss die anteiligen laufenden Kosten deiner Praxis pro Behandlungsslot decken — sonst arbeitest du bei diesem Preis mit Verlust.
Selbstzahler, PKV oder Beihilfe — brauchst du mehrere Preislisten?
Ein Preis, eine Liste — das reicht in vielen Privatpraxen. Sobald du aber unterschiedliche Patientengruppen bedienst, lohnt der genauere Blick, weil sich die Erstattung unterscheidet:
- Selbstzahler:innen zahlen deinen Preis komplett aus eigener Tasche. Hier bist du in der Gestaltung frei — die Zahl muss für dich und für den lokalen Markt stimmen.
- Privatversicherte (PKV) bekommen einen Teil oder alles erstattet, je nach Tarif. Sie orientieren sich oft an dem, was ihre Versicherung als angemessen ansieht.
- Beihilfeberechtigte rechnen mit Beihilfe plus Rest-PKV ab. Die Beihilfe-Höchstsätze sind dabei kein Preisdeckel für dich, aber ein Anhaltspunkt, was ohne Nachfrage erstattet wird.
Praktisch heißt das: Du kannst mit einer transparenten Liste starten und einzelnen Patient:innen bei Bedarf abweichende Konditionen einräumen — etwa Paketpreise oder Sozialtarife. Wichtig ist nur, dass jede Abweichung nachvollziehbar dokumentiert ist und du nicht den Überblick verlierst, wer welchen Preis zahlt.
Umsatzsteuer: nicht jede Leistung ist gleich
Ein Punkt, der auf der Preisliste selten steht, aber im Hintergrund mitläuft: Deine medizinisch indizierten Heilbehandlungen sind in der Regel umsatzsteuerfrei (§ 4 Nr. 14 UStG). Reine Wellness-, Kurs- oder Personal-Training-Angebote können dagegen umsatzsteuerpflichtig sein. Für die Preisliste heißt das: Trenne diese Bereiche gedanklich sauber, damit du weißt, bei welchen Positionen später Umsatzsteuer anfällt. Die Details dazu findest du im Beitrag Steuern als selbstständiger Physiotherapeut.
Wo und wie du die Preisliste kommunizierst
- In der Praxis aushängen — gut sichtbar im Empfangsbereich
- Auf der Website — als eigene Seite oder als Download (PDF)
- Im Behandlungsvertrag — als Anlage oder als Verweis
- Bei der Anmeldung — Patienten bei der Erstanmeldung aktiv darauf hinweisen
Wichtig ist, dass du eine verbindliche Quelle hast, aus der alle diese Aushänge und Dokumente gespeist werden. Sonst hängt im Wartezimmer eine andere Zahl als im Vertrag — und das kostet dich Vertrauen genau dort, wo du es brauchst.
Preisliste pflegen — ohne Zettelwirtschaft
Der lästigste Teil kommt nicht beim Erstellen, sondern beim Aktuell-Halten: Sobald du eine Position änderst, müsstest du Aushang, Website-PDF und Vertragsanlage nachziehen. Genau hier hilft ein zentraler Leistungskatalog.
In likami pflegst du deine Leistungen einmal als Produkte mit Dauer, Preis und Position — inklusive Zuschlägen. Daraus ziehst du mehrere Preislisten, und über Preis-Overrides je Patient kannst du für einzelne Selbstzahler:innen abweichende Preise hinterlegen, ohne den ganzen Katalog zu duplizieren. Bestehende Preise lassen sich per CSV-Import übernehmen, statt jede Zeile abzutippen. Ändert sich ein Preis, ist er an einer Stelle gepflegt — und die Abrechnung greift automatisch auf denselben Katalog zu. Wie das im größeren Zusammenhang der Praxisverwaltung zusammenspielt, liest du auf der Funktionsseite.
Häufige Fehler bei der Preisliste
Ein paar Stolpersteine tauchen immer wieder auf — die meisten lassen sich mit fünf Minuten Sorgfalt vermeiden:
- Kassensätze mit Privatpreisen verwechseln. Deine Liste gilt für Selbstzahler und Privatpatient:innen, nicht für GKV — schreib das ausdrücklich dazu.
- Behandlungsdauer weglassen. Ohne Zeitangabe wirkt jeder Preis willkürlich und ist nicht vergleichbar.
- Steuerfreie und steuerpflichtige Leistungen vermischen. Wellness und Kurse sauber von der Heilbehandlung trennen, sonst wird die Umsatzsteuer später zum Problem.
- Veraltete Aushänge. Die Zahl im Wartezimmer weicht von der im Vertrag ab — genau der Vertrauensbruch, den eine Preisliste eigentlich verhindern soll.
- Nie wieder anfassen. Preise gehören mindestens einmal im Jahr auf den Prüfstand, gemessen an deinen tatsächlichen Kosten.
Fazit
Eine professionelle Preisliste stärkt das Vertrauen deiner Patienten und vereinfacht den Praxisalltag. Investiere die Zeit, sie sauber aufzubauen, trenne steuerfreie Heilbehandlung von steuerpflichtigen Zusatzangeboten — und halte sie aus einer zentralen Quelle aktuell, statt drei Versionen von Hand zu pflegen.