Privatpraxis Physiotherapie eröffnen: der Weg ohne Kassenzulassung

Eine reine Privatpraxis eröffnen — ohne Kassenzulassung, für Selbstzahler, PKV und Beihilfe. Was der Unterschied zur Kassenpraxis bedeutet, welche Schritte anstehen und wie du von Tag eins sauber abrechnest.

Privatpraxis Physiotherapie eröffnen: der Weg ohne Kassenzulassung
Privatpraxis Physiotherapie eröffnen: der Weg ohne Kassenzulassung

Die Räume sind besichtigt, das Behandlungskonzept steht im Kopf — und dann kommt die Frage, an der viele Gründer:innen erst mal hängen bleiben: Brauche ich für eine Privatpraxis in der Physiotherapie überhaupt eine Kassenzulassung? Die kurze Antwort: nein. Wer eine reine Privatpraxis eröffnen will, behandelt Selbstzahler:innen, Privatversicherte und Beihilfeberechtigte — ganz ohne das Zulassungsverfahren, das den Start einer Kassenpraxis oft um Monate verzögert. Das macht den Weg schlanker, verschiebt den Aufwand aber an eine andere Stelle: Du bist selbst dafür verantwortlich, dass Patient:innen kommen und dass deine Abrechnung von Anfang an sauber läuft.

Worum es hier geht: die konkrete Entscheidung für das reine Privatmodell und der Weg von der Idee bis zur ersten Rechnung — inklusive der Punkte, die in den allgemeinen Gründungs-Ratgebern gern untergehen.

Inhaltsverzeichnis

Privatpraxis oder Kassenpraxis — was ist der Unterschied?

Der Unterschied ist nicht nur eine Frage der Patientengruppe, sondern betrifft dein ganzes Geschäftsmodell:

  • Kassenpraxis: Du rechnest überwiegend mit den gesetzlichen Krankenkassen ab. Dafür brauchst du eine Zulassung nach § 124 SGB V, musst festgelegte Raum- und Ausstattungsvorgaben erfüllen und behandelst zu den bundesweit verhandelten GKV-Vergütungssätzen — die du nicht selbst festlegst.
  • Reine Privatpraxis: Du behandelst ausschließlich Selbstzahler:innen, Privatversicherte (PKV) und Beihilfeberechtigte. Keine Kassenzulassung, keine GKV-Vorgaben zu Räumen — und du bestimmst deine Preise selbst, orientiert an der Gebührenempfehlung für Heilmittel und am Markt vor Ort.

Der ehrliche Trade-off: Ohne Kassenzulassung fällt der größte Patientenstrom — die gesetzlich Versicherten — als direkte Abrechnungsgruppe weg. Dafür entscheidest du frei über Preise, Behandlungsdauer und Terminlängen, und du startest ohne das Warten auf die Zulassung. Ob sich das rechnet, hängt stark vom Standort ab: In Regionen mit vielen Privatversicherten und Selbstzahler:innen trägt das Modell deutlich leichter als auf dem Land.

Tipp: Wenn du noch grundsätzlich zwischen den Wegen schwankst, hilft dir der Überblick in unserem Leitfaden zum Physiotherapie-Praxis gründen — dort vergleichen wir beide Modelle Schritt für Schritt.

Brauchst du eine Kassenzulassung, um privat zu behandeln?

Nein. Für die Behandlung von Selbstzahler:innen und Privatpatient:innen brauchst du keine Kassenzulassung. Voraussetzung ist deine staatliche Berufszulassung als Physiotherapeut:in — die hast du mit deiner Ausbildung bereits. Damit darfst du auf ärztliche Privatverordnung und auf Wunsch der Patient:innen (Selbstzahlung) behandeln.

Das Zulassungsverfahren nach § 124 SGB V — mit IK-Nummer, Prüfung der Praxisräume und Vertrag mit den Kassen — betrifft nur die GKV-Abrechnung. Wenn du diesen Weg doch offenhalten willst, lies vorab, was dabei auf dich zukommt: Kassenzulassung Physiotherapie. Für die reine Privatpraxis kannst du dir diesen Schritt sparen.

Zwei Punkte solltest du trotzdem im Blick haben:

  • Heilmittelerbringer bleibt Heilmittelerbringer. Auch als Privatpraxis giltst du berufsrechtlich als Heilmittelerbringer — die fachlichen und dokumentarischen Pflichten (u. a. § 630f BGB zur Behandlungsdokumentation) gelten unabhängig von der Versicherungsart.
  • Direktzugang und Blankoverordnung sind gesundheitspolitisch in Bewegung. Das ändert perspektivisch, wie Patient:innen zu dir kommen — für den Start deiner Privatpraxis heute rechnest du aber mit ärztlicher Verordnung plus Selbstzahler-Terminen.

Privatpraxis eröffnen: die Schritte bis zur ersten Rechnung

Der Ablauf ist überschaubarer als bei einer Kassenpraxis, aber kein Selbstläufer. In dieser Reihenfolge kommst du strukturiert ans Ziel:

  1. Rechtsform und Anmeldung klären. Als Physiotherapeut:in bist du in der Regel freiberuflich tätig — Anmeldung beim Finanzamt, keine Gewerbeanmeldung, kein Eintrag ins Handelsregister (solange du nicht als GmbH gründest). Steuernummer beantragen, Kleinunternehmerregelung prüfen.
  2. Businessplan und Finanzierung. Auch eine schlanke Privatpraxis braucht eine Kalkulation: Miete, Einrichtung, Versicherungen, Software, dein eigener Lebensunterhalt in den ersten Monaten. Wie du das aufsetzt, zeigt dir unser Businessplan Physiotherapie.
  3. Räume und Ausstattung. Ohne GKV-Vorgaben bist du bei den Räumen freier — Barrierearmut, Hygiene und ein Behandlungsraum, in dem du ungestört arbeiten kannst, bleiben trotzdem Pflicht.
  4. Versicherungen abschließen. Berufshaftpflicht ist der wichtigste Baustein, dazu je nach Situation Betriebs- und Inhaltsversicherung.
  5. Preise festlegen und Abrechnung aufsetzen. Preisliste kalkulieren, Zahlungswege klären, und ein System einrichten, mit dem du Privatrechnungen rechtssicher erstellst (dazu unten mehr).
  6. Sichtbarkeit aufbauen. Website, lokale Auffindbarkeit, Netzwerk zu Ärzt:innen — die reine Privatpraxis lebt davon, gefunden zu werden.

Tipp: Behandle die ersten 100 Tage wie eine eigene Projektphase. Was in dieser Zeit an Software und Setup wirklich zählt, haben wir in der Setup-Checkliste für Privatpraxen zusammengestellt.

Woher kommen deine Patient:innen — und was darfst du abrechnen?

Das ist die Kernfrage jeder Privatpraxis. Deine drei Gruppen unterscheiden sich in der Abrechnung deutlich:

Gruppe Grundlage Womit du rechnest
Selbstzahler:innen Deine eigene Preisliste Rechnung direkt an die Patient:in, freie Preisgestaltung
Privatversicherte (PKV) Ärztliche Privatverordnung Rechnung an die Patient:in, die bei ihrer PKV einreicht
Beihilfeberechtigte Beihilfe + Rest-PKV Beihilfe-Höchstbeträge beachten, Rest über PKV/Selbstzahlung

Wichtig zu verstehen: Du rechnest bei PKV und Beihilfe nicht direkt mit der Versicherung ab, sondern stellst deine Rechnung an die Patient:in. Ob und wie viel erstattet wird, hängt vom jeweiligen Tarif ab — deshalb solltest du deine Preise und die voraussichtliche Erstattung offen kommunizieren.

Für die konkrete Rechnungsstellung und die üblichen Sätze lohnt der Blick in Privatpatienten abrechnen in der Physiotherapie und in unsere Übersicht zu den Privatpreisen in der Physiotherapie.

Sauber starten: Doku, Termine und Abrechnung ab Tag eins

Der größte Vorteil einer Neugründung wird oft unterschätzt: Du hast kein Altsystem, aus dem du irgendwann mühsam umziehen musst. Praxen, die seit Jahren laufen, kämpfen beim Wechsel mit Datenmigration, Parallelbetrieb und Umgewöhnung. Du fängst auf der grünen Wiese an — und kannst von der ersten Rechnung an alles richtig aufsetzen.

Drei Dinge, die ab Tag eins stimmen sollten:

  • Terminplanung ohne Doppelbuchungen. Ein interner Kalender mit Konfliktprüfung (Raum und Behandler:in frei, Pufferzeiten) hält dir den Rücken frei, sobald mehrere Patient:innen und später Kolleg:innen dazukommen. Wie du das aufstellst, zeigt der Terminplaner für Physiotherapeuten.
  • Dokumentation, die vor Gericht hält. Anamnese, Befund und Verlauf gehören lückenlos und nachvollziehbar erfasst — mit Versionsgeschichte, wie es § 630f BGB verlangt.
  • Abrechnung, die von Anfang an GoBD-konform ist. Fortlaufende, unveränderbare Rechnungsnummern, revisionssichere Archivierung, saubere Trennung von Selbstzahler-, PKV- und Beihilfe-Fällen.

Genau hier setzt likami an: eine Software für Physiotherapie-Privatpraxen, mit der du Termine, Patientenverwaltung, Therapiedokumentation und die GoBD-konforme Privatabrechnung in einem System führst — ausgelegt auf Selbstzahler, PKV und Beihilfe, ohne GKV-Ballast, den du als Privatpraxis nicht brauchst. Weil du neu startest, gibt es nichts zu migrieren: Du legst deine Preisliste an, buchst den ersten Termin und schreibst die erste rechtssichere Rechnung — statt später aus Excel oder Papier umzuziehen.

Fazit: Lohnt sich die reine Privatpraxis?

Eine Privatpraxis für Physiotherapie zu eröffnen ist der schlankere Weg in die Selbstständigkeit: keine Kassenzulassung, kein Warten auf das Zulassungsverfahren, volle Kontrolle über Preise und Behandlungszeiten. Der Preis dafür ist, dass du dir deine Patient:innen aktiv erarbeitest und für eine saubere Abrechnung selbst verantwortlich bist. Wenn dein Standort genug Selbstzahler:innen und Privatversicherte hergibt und du von Anfang an strukturiert startest, ist das reine Privatmodell nicht nur machbar, sondern oft der planbarere Start. Und der beste Zeitpunkt, Doku, Termine und Abrechnung richtig aufzusetzen, ist der erste Tag — bevor sich Provisorien einschleichen. Wenn du noch am Grundsätzlichen bist, lohnt vorab der Blick auf selbstständig als Physiotherapeut.

Über likami

Praxisverwaltung,
die mitdenkt.

Cloudbasiert, GoBD-konform, gebaut speziell für Privatpraxen mit Selbstzahlern. likami nimmt dir den Verwaltungsaufwand ab — damit du dich auf deine Patienten konzentrieren kannst.

Zeitersparnis
5 h / Woche
Test-Phase
30 Tage
ab
41,58 €
Setup-Zeit
< 24 h

30 Tage kostenlos · Keine Kreditkarte · Endet automatisch

likami Dashboard auf dem Laptop likami Wochenkalender auf dem Tablet likami Terminvorschläge-Portal auf dem Smartphone
Alle Beiträge
Weiterlesen